Donnerstag, 26. Februar 2015

Fragen zu einem Tausch (2)

Anfang 1934 erschien das Buch "Deutsche Bildhauer der Gegenwart" von Alfred Hentzen. Hentzen war als Kustos verantwortlich für die moderne Sammlung der Nationalgalerie. In seinem Buch findet sich auf Seite 111 (in einer späteren Ausgabe 119) eine Abbildung einer Bronzefassung von "Still Allein" mit "Nationalgalerie" als Besitzangabe. Nicht nur waren Gipsfiguren getauscht worden, die Nationalgalerie hatte offensichtlich auch das Recht erworben, einen versilberten Bronzeguss gießen zu lassen.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Arbeit am Tölken-Nachlass


August Tölken bei der Arbeit am Relief für die
Bremer Bürgerstuben, Januar 1951











































Nur noch wenige Spuren des Bildhauers August Tölken (1892–1975) sind erhalten: darunter Gussstückformen, Gipsmodelle, zahlreiche Skizzen und Fotomaterial von seinen Werken. All das wird im Moment im Gerhard-Marcks-Haus aufgearbeitet. 
Der 1892 in Bremen geborene August Tölken widmete sich ab 1926 der Bildhauerei. Zunächst an der Kunstakademie in Karlsruhe, dann in Berlin unter dem die Berliner Bildhauerschule prägenden Wilhelm Gerstel (1879–1973), später als Meisterschüler Hugo Lederers (1871–1940). Nach Bremen zurückgekehrt, eröffnete Tölken sein Bildhaueratelier am Achterdiek 23 in Bremen-Oberneuland. Dort führte er zahlreiche Porträtaufträge aus, aber auch bauplastische Arbeiten wie das 3,50 m große Relief „Brückenbau“ für die Bremer Bürgerstuben oder das als Gipsnegativform erhaltene Relief „Gott und Mensch“, welches ab 1972 die Bremer St. Rembertikirche zierte. Von zahlreichen in Fotografien überlieferten Arbeiten ist der Verbleib jedoch unbekannt. 
Haben Sie Informationen zu Arbeiten von August Tölken, dann schreiben Sie uns unter: info@marcks.de

August Tölken, Frauentorso, 1939
Gussform für den Frauentorso von 1939


Dienstag, 10. Februar 2015

Fragen zu einem Tausch

Kronprinzenpalais 1932, Blick in die Ausstellung
1930 erwarb das Preußische Kulturministerium die Gruppe "Griechinnen" von 1928 für die Berliner Nationalgalerie (rechts auf dem Foto). Im März 1933 bat Ludwig Justi, der Direktor der Nationalgalerie, Marcks möge die Gruppe zurücknehmen und als Tausch die Figur "Still Allein" in das Museum geben.

Ein Gipsguss der Figur befand sich 1933 als Leihgabe in der Nationalgalerie. 1945 besaß die Nationalgalerie die Figur als versilberte Bronze. Aus dieser Geschichte folgen zwei wichtige Fragen: 1) Wann wurde der Gips von wem in Bronze gegossen - und wurden damals auch andere Exemplare augeführt? 2) Wo sind die Griechinnen?     

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Still Allein (2)


Die wichtigste Quelle zum Werk von Gerhard Marcks ist das sogenannte Tagebuch. Seit den 1920er-Jahren führte er darin eine Liste von seinen Skulpturen. Oft gibt es Hinweise zu den ersten Besitzern. Ein Bronze-Exemplar von "Still Allein" befand sich in den frühen 1930er-Jahren bei dem Maler Hans Purrmann. Der Gips wurde offensichtlich im Kronprinzenpalais, also in der modernen Abteilung der Nationalgalerie in Berlin, ausgestellt.  

Montag, 22. Dezember 2014

Still Allein (1)

Gerhard Marcks: Still Allein, 1932
Bronze, 62 cm, Neu Ulm, Edwin Scharff Museum

Vor einem Jahr konnten unsere Kollegen vom Edwin Scharff Museum dieses sehr schöne Exemplar der Figur "Still Allein" von 1932 erwerben. Ende Mai 2015 zeigt das Museum in Neu-Ulm eine Ausstellung um diese Figur und um das Modell Trude Jalowetz. Wir werden in diesem Zusammenhang unsere Sammlung erforschen und Zwischenergebnisse hier publizieren.

Montag, 13. Oktober 2014

Hinweise auf die Blickachsen




Um 1970 war die Tochter von Gerhard Marcks in Bleicherode und machte dort einige Fotos. Sie wusste was ihrem Vater wichtig war. Diese Fotos geben Hinweise auf die Komposition und auf die von Marcks bevorzugten Blickachsen. 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

... so hätte es eigentlich aussehen müssen!

Das Denkmal "Krieg und Frieden" nimmt eine kunsthistorische Sonderstellung ein. Stellt sich doch an dem von Gerhard Marcks zwischen 1936 und 1938 im Auftrag des Kali-Bergwerks in Bleicherode entworfenen Denkmal die Frage, wie konnte ein Bildhauer, der offiziell auf der Ausstellung "entartete Kunst" 1937 diskreditierte wurde noch diesen Auftrag ausführen? Einige neu aufgefundene Quellen können hier Aufschluss geben. Dass der Entwurf von Gerhard Marcks bei den nationsozialistischen Machthabern keineswegs auf Wohlgefallen gestoßen ist, belegt eine Zeichnung, die die Wehrkreisverwaltung mit folgendem Kommentar an Bleicherode schickte: "Die Ausführung der Plastik von Herrn Professor Marcks Berlin ist künstlerisch wertvoll. Jedoch erscheint die Darstellung für den heroischen Sinn des Denkmals zu zart, die Linienführung zu spielerisch, die Darstellung des Werkmanns zu versonnen. Als Symbolik des Opfertodes für Volk und Vaterland [...] ist eine straffere Darstellung geeigneter. Das auf dem Lichtbild aufgeheftete Deckblatt darf daher als Anregung in diesem Sinne beigefügt werden" (Einschreiben der Werkreisverwaltung IX, 11.02.1939).


... so hätte nach Ansicht der nationalistischen Machthaber das Denkmal in Bleicherode eigentlich aussehen müssen!