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Montag, 8. Februar 2016

Kastalia ist auch Penelope

Rekonstruktion der Penelope vom Esquilin

Als ich in München im Museum für Abgüsse klassischer Bildwerke diese Rekonstruktion einer Penelope aus Rom sah, musste ich sofort an die Kastalia von Gerhard Marcks denken. Damit hätten wir eine weitere Spur für die Ikonographie dieser Figur gefunden. Neben den Motiven der Trauer und der Mnemosyne ist auch Warten (Penelope wartet auf Odyseus) ein mögliches Thema der vielschichtigen Figur. Bestätigt wird diese mögliche Interpretation durch einen Holzschnitt zu Homers Odysee.

Gerhard Marcks: Penelope, vor 1963, Holzschnitt 167 x 56 mm

Freitag, 29. August 2014

Mnemosyne: Zur Bildtradition

Johann Ulrich Krauß (1655-1719): Als Hirt verkleidet täuscht Jupiter die Mnemosyne (aus Ovid Metamorphosen, Edition 1690). 
Wer die Spur der Mnemosyne in der Kunstgeschichte verfolgt, findet ab dem späten 17. Jahrhundert das Motiv der sitzenden Frau mit der Hand unter dem Kinn. Es ist nicht unwahrscheinlich - aber da bin ich kein Fachmann - dass das mit dem Auftauchen der beiden Figuren in der Sammlung des Kardinal Mazarin (1602-1661) zu tun hat.

Montag, 25. August 2014

Kastalia ist auch Mnemosyne!

Sogenannte "Agrippine Mazarin", auch "Mnemosyne" genannt. Marmor, 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus. Sammlung Louvre, heute im Musée national du palais de Compiègne

Noch eine "Agrippine Mazarin", auch "Mnemosyne" genannt. Marmor, 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus. Sammlung Louvre, ebenfalls heute im Musée national du palais de Compiègne

Nr. 2.

Als ich in Compiègne die Ausstellung von Albert Ernest Carrier-Belleuse (1824-1887), dem Lehrer Rodins besuchte, traf ich im Palais de Compiègne auf eine Verwandte der Kastalia. Zwei sogenannte Darstellungen der Agrippina, die aus dem Louvre stammen. Interessant ist vor allem, dass die Figur lange Zeit als Darstellung der Mnemosyne galt, der Erinnerung. Um 1930 wird Mnemosyne, die Mutter der Musen, eine zentrale Gestalt im Nachdenken von Marcks. Kastalia ist dann eine Figur, in der sich noch mehr Spuren verdichten als wir schon dachten.

Die Archäologin Luise Seemann wies mich darauf hin, dass es sich bei diesen Skulpturen wahrscheinlich um Grabstatuen (mit möglich späteren Köpfen) handelt. Ich vermute - kann aber noch nicht beweisen -, dass Marcks diese Figuren und die Interpretation als Mnemosynen kannte. Wichtig ist Luise Seemanns Frage, warum Marcks seine Figur dann Kastalia und nicht Mnemosyne nannte. Meine Vermutung ist, dass er - wie auch bei anderen Figuren - versucht, Bildformeln und ikonographische Muster zu verbinden. Zur Bedeutung der Mnemosyne demnächst mehr.