Donnerstag, 19. Juni 2014

Suchen Sie die Unterschiede?

Gerhard Marcks: Kastalia, 1930
Gips, Angermuseum Erfurt
In der Ausstellung "Kastalia. Quellnymphe für Anfänger und Fortgeschrittene" stehen sich ein Gipsguss aus dem Angermuseum Erfurt und die 1931-32 angefertigte Steinskulptur gegenüber. Es gibt sowohl in den Details wie auch in der allgemeinen Komposition der Figur viel stärkere Unterschiede als wir je dachten.

Montag, 5. Mai 2014

Auf, zur Kastalischen Quelle!




Marcks' Reise nach Griechenland gilt zu Recht als eine Zäsur in seinem künstlerischen Schaffen. Ein Stipendium des Deutschen Künstlerbundes hatte ihm diese Reise ermöglich. Bislang von der Forschung unbeachtet ist die Tatsache, dass er diese Reise nicht alleine antrat, sondern scheinbar mit seiner gesamten Familie. Mehr noch, sein damals knapp einjähriger Sohn Christoph wurde in der Kastalischen Quelle getauft!

„Wie schön, daß Sie [Liesbeth Caesar] es in Griechenland gut getroffen haben; ja sicher ist da so etwas wie Himmel der Seele. Sie haben wohl auch aus dem Kastalischen Quell getrunken? Ich bin bis in den tiefesten Felsspalt gekrochen, um es nun auch wirklich aus allererster Hand zu kriegen. (Und Stöpp, unser Jüngster, wurde mit Kastalischem Wasser getauft). Ob man noch einmal in diese seligen Gefilde kommt?“ (Brief Gerhard Marcks an die Bildhauerin Liesbeth Caesar, Pfinstmontag 1933)


Auch seinem Jugendfreund Richard Fromme berichtet Marcks über den prägenden Eindruck an der Kastalischen Quelle:

„Einer meiner größten Eindrücke in Griechenland war übrigens die korykische Grotte, einsam im gebirge liegende große Dionysoshöhle bei Delphi, niemals habe ich so schönes Wasser getrunken wie da (kastalische Quelle).“ (Brief Gerhard Marcks an Ingenieur Richard Fromme, 20.06.1928)

Freitag, 18. April 2014

Kastalia (11): Was sahen die Zeitgenossen?

Karl Scheffler schrieb in Kunst und Künstler: "Die schönste Arbeit der diesjährigen Secessionsausstellung ist, so scheint mir, die Plastik einer sitzenden Frau von Gerhard Marcks. Der Künstler nennt sie Kastalia, was ein Bißchen nach Klassizismus schmeckt. Tatsächlich mutet die Form auch etwas klassizistisch-nazarenisch an, man glaubt im ersten Augenblick vor einer hübschen Allegorie des Winters aus dem Jahre 1820 etwa zu stehen. Dieses Stilisierte und Konventionelle ist aber das Gewand einer echten und starken Lebensempfindung, eines eigenartigen plastischen Formgefühls und eines seltenen Sinnes für den Ausgleich von Höhe und Tiefe, von Licht und Schatten, von Fläche und Detail. [...] Hier wird das Beste der modernen Skulptur – wenn auch in einer mehr feinen und empfindsamen als in einer kräftigen Weise - fortgesetzt". Vielleicht dachte Scheffler an ein bestimmtes Bild (Frage an die Fachleute fürs 19.Jahrhundert). Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er mit "klassizistisch-nazarenisch" meinte, dass Marcks "deutsche" und "mediterrane" Quellen verband.

Friedrich Overbeck: Italia und Germania, 1811-1828
München, Neue Pinakothek

Dienstag, 15. April 2014

Kastalia (10): Was sahen die Zeitgenossen?

Kauernde Frau, um 1800
Terrakotta, ca. 60 cm
Ludwig Thormaehlen nannte die Kastalia von Gerhard Marcks 1932 "die etwas klassizistisch sitzende weibliche Figur". Wahrscheinlich dachte er dabei an klassizistische Grabfiguren, wie diese, die sich im Liebighaus in Frankfurt befand. Marcks kannte die Sammlung des Liebighauses gut.

Freitag, 11. April 2014

Kastalia (9)

Warum nennt Marcks seine Figur "Kastalia"? Heute in der Bibliothek fiel mir auf, dass die Quellnymphe es nicht einmal in das "Lexikon der mythologischen Frauen der Antike" geschafft hat. Auch damals muss das ein obskurer Verweis gewesen sein, den nicht alle verstanden. Eine mögliche Spur sind die Archäologen mit denen der Künstler befreundet war. Herbert Koch war Professor in Jena und gleichzeitig im Vorstand des Jenaer Kunstvereins. 1925 schuf Marcks ein nicht erhaltenes plastisches Porträt. 1928 reisten die beiden nach Griechenland. Dort entstand die erste Idee für die Figur.

Sonntag, 16. März 2014

Kastalia (8): Zum Titel


Abbildung des Gipsmodells in Kunst und Künstler 29 (1931), S. 134


Warum nennt Marcks seine Figur Kastalia? Sie ist eine Nymphe aus der griechischen Mythologie, die sich auf der Flucht vor Apollo in eine Weihequelle bei Delphi stürzte. Die Quelle heißt seitdem Kastalia. Das Wasser der Kastalischen Quelle soll denen, die davon tranken oder seinem leisen Plätschern zuhörten, als dichterische Inspiration gedient haben. Ist der Titel ein Hinweis auf einen Inhalt (Nymphe oder Quelle) oder ist er ein gezielter Versuch, die Skulptur der schnellen Vereinnahmung zu entziehen? Betrachter sollen über das Werk und über die Bedeutung von Inspiration nachdenken.

Montag, 17. Februar 2014

Kastalia (7)


Die Gipsfassung der Kastalia wurde 1932 in einer von der Nationalgalerie in Berlin organisierten Ausstellung "Neuere deutsche Kunst" gezeigt. Dieses sehr gute Buch zeigt wie sehr die Diskussion in Deutschland bereits vor 1933 politisiert war. In dieser Auseinandersetzung spielt die "Kastalia" eine bemerkenswerte Rolle. Dazu später mehr.