Sonntag, 16. März 2014

Kastalia (8): Zum Titel


Abbildung des Gipsmodells in Kunst und Künstler 29 (1931), S. 134


Warum nennt Marcks seine Figur Kastalia? Sie ist eine Nymphe aus der griechischen Mythologie, die sich auf der Flucht vor Apollo in eine Weihequelle bei Delphi stürzte. Die Quelle heißt seitdem Kastalia. Das Wasser der Kastalischen Quelle soll denen, die davon tranken oder seinem leisen Plätschern zuhörten, als dichterische Inspiration gedient haben. Ist der Titel ein Hinweis auf einen Inhalt (Nymphe oder Quelle) oder ist er ein gezielter Versuch, die Skulptur der schnellen Vereinnahmung zu entziehen? Betrachter sollen über das Werk und über die Bedeutung von Inspiration nachdenken.

Montag, 17. Februar 2014

Kastalia (7)


Die Gipsfassung der Kastalia wurde 1932 in einer von der Nationalgalerie in Berlin organisierten Ausstellung "Neuere deutsche Kunst" gezeigt. Dieses sehr gute Buch zeigt wie sehr die Diskussion in Deutschland bereits vor 1933 politisiert war. In dieser Auseinandersetzung spielt die "Kastalia" eine bemerkenswerte Rolle. Dazu später mehr.  

Donnerstag, 13. Februar 2014

Kastalia (6)



Bei Ebay ein hier im Museum unbekanntes historisches Foto des Gipsmodells der Kastalia gekauft. Der Hinweis auf der Rückseite stammt wahrscheinlich von einem Gestalter und also ist die Frage, wo dieses Foto publiziert wurde? Da die Figur hier "Sitzende" genannt wird und noch nicht "Kastalia" wahrscheinlich im Umfeld der Ausstellung der Figur in der Berliner Sezession 1930. Inzwischen (April 2014) bin ich mir ziemlich sicher, dass dieses Foto als Vorlage für den Katalog der Sezession diente.

Montag, 3. Februar 2014

Kastalia (5)

Gerhard Marcks: Selene (Modell), 1934, Gips ca 85. cm (vermutlich zerstört)
Marcks an Erich Consemüller, Niehagen 21.6.1934: "Letzthin machte ich [...] eine sitzende Jalo [=Trude Jalowetz], die sich das Tuch umlegt, ich glaube ein Pendant zur Kastalia". Aus diesem Gipsmodell entstand 1935 die Steinfigur Selene. In der kurzen Briefstelle verbirgt sich der Hinweis, dass das Motiv des Tuches für Marcks mindestens so wichtig war wie die inhaltlichen Implikationen des Titels.

Freitag, 31. Januar 2014

Kastalia (4)


Die Zeichnung der sich verhüllenden Frau taucht in der Radierung "Erinnerung an Griechenland" von 1928 auf. Diese Radierung diente als Umschlag für ein kleines Heft unseres Museums über die Bedeutung von Griechenland für Gerhard Marcks. Darin wird der Bildhauer zitiert: "Griechische Plastik, das ist Europäische Plastik. Die Apollinische Religion kennt keinen Sündenfall - sie hat keine Furcht vor dem nackten Menschen, der ihr das Göttliche am reinsten versinnbildlicht. Man streitet, ob die männlichen Statuen der Frühzeit einen Gott oder einen Menschen darstellen. Sie sind aus der Unschuld des Handwerks hervorgegangen, und doch, die Gewalt der Vorstellung, die Intensität der Gestaltung berühren uns mit einem Hauch der Freiheit wie keine andere Kunst. Freiheit ist aber nur denkbar in ihrer Spannung zu Maß und Gesetz; Zwang und Libertinage sind beide Ausdruck der Barbarei".

Freitag, 24. Januar 2014

Kastalia (3)

Gerhard Marcks: Porträt Doris Keetman, um 1930
Bleistift, 273 x 219 (D2865) 
Die Bildidee für "Kastalia" basiert auf eine Zeichnung aus Griechenland. Für die Gipsplastik saß Doris Keetman (1906-2003) Modell. Keetman studierte zwischen 1925 und 1931 Malerei an der Burg Giebichenstein bei Erwin Hahs. In der Sammlung des Gerhard-Marcks-Hauses gibt es einige Zeichnungen, die in das Entstehungsumfeld der Steinskulptur gehören.

Montag, 6. Januar 2014

Kastalia (2)

Gerhard Marcks: Sitzende, 1928, 120 x 176 mm
Bez: Olympia 10 IV 28 (D3721)

Werner Haftmann erinnerte sich 1969: „Sie hieß ‚Kastalia‘: - ein junges kauerndes Mädchen, ganz eingehüllt in sein Gewand, das mit einem Gewandende sein Gesicht verhüllte. Marcks erzählte mir später er hatte das Motiv in Griechenland gesehen. Es war ein Hirtenmädchen, das am Wegrand saß und, wie es in jenen, so weit zurück liegenden Jahren noch der brauch, vor dem Vorübergehenden sein Gewand wie einen Vorhang vor sein Gesicht zog.