Dienstag, 10. Februar 2015

Fragen zu einem Tausch

Kronprinzenpalais 1932, Blick in die Ausstellung
1930 erwarb das Preußische Kulturministerium die Gruppe "Griechinnen" von 1928 für die Berliner Nationalgalerie (rechts auf dem Foto). Im März 1933 bat Ludwig Justi, der Direktor der Nationalgalerie, Marcks möge die Gruppe zurücknehmen und als Tausch die Figur "Still Allein" in das Museum geben.

Ein Gipsguss der Figur befand sich 1933 als Leihgabe in der Nationalgalerie. 1945 besaß die Nationalgalerie die Figur als versilberte Bronze. Aus dieser Geschichte folgen zwei wichtige Fragen: 1) Wann wurde der Gips von wem in Bronze gegossen - und wurden damals auch andere Exemplare augeführt? 2) Wo sind die Griechinnen?     

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Still Allein (2)


Die wichtigste Quelle zum Werk von Gerhard Marcks ist das sogenannte Tagebuch. Seit den 1920er-Jahren führte er darin eine Liste von seinen Skulpturen. Oft gibt es Hinweise zu den ersten Besitzern. Ein Bronze-Exemplar von "Still Allein" befand sich in den frühen 1930er-Jahren bei dem Maler Hans Purrmann. Der Gips wurde offensichtlich im Kronprinzenpalais, also in der modernen Abteilung der Nationalgalerie in Berlin, ausgestellt.  

Montag, 22. Dezember 2014

Still Allein (1)

Gerhard Marcks: Still Allein, 1932
Bronze, 62 cm, Neu Ulm, Edwin Scharff Museum

Vor einem Jahr konnten unsere Kollegen vom Edwin Scharff Museum dieses sehr schöne Exemplar der Figur "Still Allein" von 1932 erwerben. Ende Mai 2015 zeigt das Museum in Neu-Ulm eine Ausstellung um diese Figur und um das Modell Trude Jalowetz. Wir werden in diesem Zusammenhang unsere Sammlung erforschen und Zwischenergebnisse hier publizieren.

Montag, 13. Oktober 2014

Hinweise auf die Blickachsen




Um 1970 war die Tochter von Gerhard Marcks in Bleicherode und machte dort einige Fotos. Sie wusste was ihrem Vater wichtig war. Diese Fotos geben Hinweise auf die Komposition und auf die von Marcks bevorzugten Blickachsen. 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

... so hätte es eigentlich aussehen müssen!

Das Denkmal "Krieg und Frieden" nimmt eine kunsthistorische Sonderstellung ein. Stellt sich doch an dem von Gerhard Marcks zwischen 1936 und 1938 im Auftrag des Kali-Bergwerks in Bleicherode entworfenen Denkmal die Frage, wie konnte ein Bildhauer, der offiziell auf der Ausstellung "entartete Kunst" 1937 diskreditierte wurde noch diesen Auftrag ausführen? Einige neu aufgefundene Quellen können hier Aufschluss geben. Dass der Entwurf von Gerhard Marcks bei den nationsozialistischen Machthabern keineswegs auf Wohlgefallen gestoßen ist, belegt eine Zeichnung, die die Wehrkreisverwaltung mit folgendem Kommentar an Bleicherode schickte: "Die Ausführung der Plastik von Herrn Professor Marcks Berlin ist künstlerisch wertvoll. Jedoch erscheint die Darstellung für den heroischen Sinn des Denkmals zu zart, die Linienführung zu spielerisch, die Darstellung des Werkmanns zu versonnen. Als Symbolik des Opfertodes für Volk und Vaterland [...] ist eine straffere Darstellung geeigneter. Das auf dem Lichtbild aufgeheftete Deckblatt darf daher als Anregung in diesem Sinne beigefügt werden" (Einschreiben der Werkreisverwaltung IX, 11.02.1939).


... so hätte nach Ansicht der nationalistischen Machthaber das Denkmal in Bleicherode eigentlich aussehen müssen!

Dienstag, 7. Oktober 2014

Bleicherode

Gerhard Marcks: Krieg und Frieden, 1936-1938.

Am 8.10.2014 werden in der Alten Kanzlei in Bleicherode zwei Räume zu Gerhard Marcks eröffnet. Dies werden wir zum Anlass nehmen um in den nächsten Wochen auf unserem Blog neue Erkenntnisse über das Denkmal "Krieg und Frieden" von 1936-1938 zu publizieren.

Dienstag, 9. September 2014

Kastalia: auch die Melancholie spielt eine Rolle

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514 Kupferstich, 240 x 188 mm
Zu den vielen Spuren, die wir im Rahmen unserer Untersuchungen zur Kastalia verfolgt haben, gehört natürlich auch die Melancholie. Marcks kannte den berühmten Kupferstich von Albrecht Dürer, aber wir haben die Spur verworfen, da das Sitzmotiv so völlig anders ist. In der letzten Führung durch die Ausstellung wies ein Besucher auf eine ganz andere Spur in Richtung Melancholie. Im ersten Spruch von Walther von der Vogelweides „Reichston“ (zwischen 1198 und 1201) heißt es:

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.

Jedes deutsche Kind mit humanistischer Bildung kannte diese Strophe, woraus sich weitere Möglichkeiten der Interpretation ergeben. Es zeigt übrigens auch wie wichtig unsere offenen Vermittlungsformate sind. Wir lernen viel von unseren Besuchern.