Montag, 13. Oktober 2014

Hinweise auf die Blickachsen




Um 1970 war die Tochter von Gerhard Marcks in Bleicherode und machte dort einige Fotos. Sie wusste was ihrem Vater wichtig war. Diese Fotos geben Hinweise auf die Komposition und auf die von Marcks bevorzugten Blickachsen. 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

... so hätte es eigentlich aussehen müssen!

Das Denkmal "Krieg und Frieden" nimmt eine kunsthistorische Sonderstellung ein. Stellt sich doch an dem von Gerhard Marcks zwischen 1936 und 1938 im Auftrag des Kali-Bergwerks in Bleicherode entworfenen Denkmal die Frage, wie konnte ein Bildhauer, der offiziell auf der Ausstellung "entartete Kunst" 1937 diskreditierte wurde noch diesen Auftrag ausführen? Einige neu aufgefundene Quellen können hier Aufschluss geben. Dass der Entwurf von Gerhard Marcks bei den nationsozialistischen Machthabern keineswegs auf Wohlgefallen gestoßen ist, belegt eine Zeichnung, die die Wehrkreisverwaltung mit folgendem Kommentar an Bleicherode schickte: "Die Ausführung der Plastik von Herrn Professor Marcks Berlin ist künstlerisch wertvoll. Jedoch erscheint die Darstellung für den heroischen Sinn des Denkmals zu zart, die Linienführung zu spielerisch, die Darstellung des Werkmanns zu versonnen. Als Symbolik des Opfertodes für Volk und Vaterland [...] ist eine straffere Darstellung geeigneter. Das auf dem Lichtbild aufgeheftete Deckblatt darf daher als Anregung in diesem Sinne beigefügt werden" (Einschreiben der Werkreisverwaltung IX, 11.02.1939).


... so hätte nach Ansicht der nationalistischen Machthaber das Denkmal in Bleicherode eigentlich aussehen müssen!

Dienstag, 7. Oktober 2014

Bleicherode

Gerhard Marcks: Krieg und Frieden, 1936-1938.

Am 8.10.2014 werden in der Alten Kanzlei in Bleicherode zwei Räume zu Gerhard Marcks eröffnet. Dies werden wir zum Anlass nehmen um in den nächsten Wochen auf unserem Blog neue Erkenntnisse über das Denkmal "Krieg und Frieden" von 1936-1938 zu publizieren.

Dienstag, 9. September 2014

Kastalia: auch die Melancholie spielt eine Rolle

Albrecht Dürer: Melencolia I, 1514 Kupferstich, 240 x 188 mm
Zu den vielen Spuren, die wir im Rahmen unserer Untersuchungen zur Kastalia verfolgt haben, gehört natürlich auch die Melancholie. Marcks kannte den berühmten Kupferstich von Albrecht Dürer, aber wir haben die Spur verworfen, da das Sitzmotiv so völlig anders ist. In der letzten Führung durch die Ausstellung wies ein Besucher auf eine ganz andere Spur in Richtung Melancholie. Im ersten Spruch von Walther von der Vogelweides „Reichston“ (zwischen 1198 und 1201) heißt es:

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.

Jedes deutsche Kind mit humanistischer Bildung kannte diese Strophe, woraus sich weitere Möglichkeiten der Interpretation ergeben. Es zeigt übrigens auch wie wichtig unsere offenen Vermittlungsformate sind. Wir lernen viel von unseren Besuchern. 

Freitag, 29. August 2014

Mnemosyne: Zur Bildtradition

Johann Ulrich Krauß (1655-1719): Als Hirt verkleidet täuscht Jupiter die Mnemosyne (aus Ovid Metamorphosen, Edition 1690). 
Wer die Spur der Mnemosyne in der Kunstgeschichte verfolgt, findet ab dem späten 17. Jahrhundert das Motiv der sitzenden Frau mit der Hand unter dem Kinn. Es ist nicht unwahrscheinlich - aber da bin ich kein Fachmann - dass das mit dem Auftauchen der beiden Figuren in der Sammlung des Kardinal Mazarin (1602-1661) zu tun hat.

Montag, 25. August 2014

Kastalia ist auch Mnemosyne!

Sogenannte "Agrippine Mazarin", auch "Mnemosyne" genannt. Marmor, 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus. Sammlung Louvre, heute im Musée national du palais de Compiègne

Noch eine "Agrippine Mazarin", auch "Mnemosyne" genannt. Marmor, 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus. Sammlung Louvre, ebenfalls heute im Musée national du palais de Compiègne

Nr. 2.

Als ich in Compiègne die Ausstellung von Albert Ernest Carrier-Belleuse (1824-1887), dem Lehrer Rodins besuchte, traf ich im Palais de Compiègne auf eine Verwandte der Kastalia. Zwei sogenannte Darstellungen der Agrippina, die aus dem Louvre stammen. Interessant ist vor allem, dass die Figur lange Zeit als Darstellung der Mnemosyne galt, der Erinnerung. Um 1930 wird Mnemosyne, die Mutter der Musen, eine zentrale Gestalt im Nachdenken von Marcks. Kastalia ist dann eine Figur, in der sich noch mehr Spuren verdichten als wir schon dachten.

Die Archäologin Luise Seemann wies mich darauf hin, dass es sich bei diesen Skulpturen wahrscheinlich um Grabstatuen (mit möglich späteren Köpfen) handelt. Ich vermute - kann aber noch nicht beweisen -, dass Marcks diese Figuren und die Interpretation als Mnemosynen kannte. Wichtig ist Luise Seemanns Frage, warum Marcks seine Figur dann Kastalia und nicht Mnemosyne nannte. Meine Vermutung ist, dass er - wie auch bei anderen Figuren - versucht, Bildformeln und ikonographische Muster zu verbinden. Zur Bedeutung der Mnemosyne demnächst mehr.

 


Dienstag, 12. August 2014


Die Ausstellung steht und das Heft in der Reihe Patrimonia ist erschienen (10 Euro im Museum), aber das heißt nicht, dass die Forschung fertig ist. An der Wand im Museum kleben inzwischen neue Zettel, die interessante neue Spuren aufzeigen. Und: Im Urlaub in Frankreich habe ich ein weiteres Vorbild für die Figur gefunden.