Dienstag, 5. Mai 2020

Mit Priska von Martin in der Zirkusmanege (3)


Priska von Martin: Zirkusszene, 1954, Bronze
Foto: Museum für neue Kunst, Freiburg | Axel Killian
Wenn auch in verschiedener Intensität lässt sich das Zirkus-Thema sowohl im Œuvre von Priska von Martin, als auch bei Gerhard Marcks finden. Auf den ersten Blick wirken Zirkusdarstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts irgendwie aus der Zeit gefallen. Das Bauchgefühl sagt, dass sie in die Malerei des 19. Jahrhunderts gehören. Warum ist das Thema »Zirkus« für moderne Bildhauer interessant?
Im Falle Priska von Martins ist die Antwort leicht gegeben, auch wenn man für die Erklärung etwas weiter ausholen muss. Sie unterteilte ihr Œuvre selbst in sechs Schaffensphasen. In ihren beiden selbstbetitelten »Mittleren Phasen« beschäftigte sie sich mit der Darstellungen von Tieren (u. a. Rentieren, Pferden) und von Reitern, dabei rückt sie besonders die Zirkusreiter in den Fokus.

Von Martins Interesse an Reitern begründet sich in einer wenig freudvollen Kindheit, deren einzige schöne Momente an den Kontakt zu Pferden und das Reiten bei Verwandten geknüpft sind. Dazu mischt sich in den 1960er-Jahren eine alptraumhafte Vision des »Bloßgestelltwerdens« in einer Zirkusmanege in von Martins Bewusstsein. Mit diesem Hintergrundwissen kommt der Verdacht auf, dass es sich bei Priska von Martins Zirkusdarstellungen um Selbstporträts handeln könnte.
Priska von Martin: Zirkusszene, 1950er-Jahre, Bronze
Foto: Museum für neue Kunst, Freiburg | Axel Killian

Dass es der Bildhauerin nicht um liebliche Reiterinnen und grazile Zirkuspferde geht, macht spätestens die eigenwillige Formensprache der Skulpturen deutlich: Sie sind zum Teil nur fragmentarisch dargestellt und ihre Oberfläche grob modelliert. Ab und an integriert die Bildhauerin stereotypische Details wie Voltigierfiguren oder Federbüschel als Pferdeschmuck um deutlich zu machen, dass es sich um eine Zirkusszene handelt. Ihr ist es also wichtig, sie als genau das zu erkennen und sie nicht für »gewöhnliche« Reiter zu halten. Obwohl das Motiv im Kontext Priska von Martins Arbeiten einen großen persönlichen Bezug hat, finden sich gerade nach Ende des Zweiten Weltkriegs (und dort besonders in den 1950er- und 1960er-Jahren) in vielen Œuvren Darstellungen von Zirkusszenen - so auch bei Gerhard Marcks.

Fortsetzung folgt.

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